04. bis 16. Februar 2025 – Erste Woche in Chapel Hill-Carrboro

Am 8. Februar 2025 reiste unsere Gruppe, bestehend aus Michel, Laura, Sara, Tharchis und den beiden Lisas, von Hamburg nach Chapel Hill-Carrboro, um am sechswöchigen Austauschprogramm „Tricontinental Teacher Training“ teilzunehmen. Dieses Programm wird von der Universität Hamburg und der University of North Carolina Chapel Hill organisiert und bietet Lehramtstudierenden die Chance, das US-amerikanische Schulsystem kennenzulernen, interkulturelle Erfahrungen zu sammeln und eigene Ansichten kritisch zu reflektieren und sich aktiv in Unsicherheiten im Kontext Schule als Lehrkraft zu begeben.

Alle Teilnehmende wurden von den Gastfamilien sehr herzlich empfangen. Wir (Michel und Lisa) wohnen bei einer sehr aufgeschlossenen Familie, mit der wir besonders anregende Diskussionen über Politik und das Bildungssystem in North Carolina führen und dadurch tiefe Einblicke in die gesellschaftlichen Strukturen vor Ort erhalten können, was total bereichernd ist.

Die ersten Tage waren intensiv, da wir sehr viele Eindrücke erhalten haben, und durch ein umfangreiches Programm begleitet wurden. Beim Willkommens-Event im Education Center der UNC lernten wir unsere Programm-Buddies der UNC, die uns im Mai 2025 in Hamburg besuchen werden, nach sehr vielen Digitalen Meeting-Points endlich persönlich kennen. In entspannter Atmosphäre mit Snacks und Getränken tauschten wir uns mit ihnen, den Gastgeber*innen, den Koordinator*innen, Host Familien und Lehrkräften aus. 

Am nächsten Tag nahm sich Taylor, unser Ansprechpartner an der UNC, sehr viel Zeit, um uns die Studentenstadt Chapel Hill zu zeigen. Wir entdeckten die besten Cafés und Kneipen, besuchten Merchandise-Läden der Universität und spazierten über den beeindruckenden Campus der UNC. Besonders interessant für uns war die die kritische Auseinandersetzung mit der kolonialen Geschichte der Universität, die einige Studierende an mehreren Stellen durch kreative Projekte sichtbar machten. Und natürlich, dass Michael Jordan an der UNC Chapel Hill seinen Bachelor in Geographie abschloss. 

Ein weiteres Highlight war unser „Buddy Day“, an dem alle Buddys der UHH und UNC einen Samstag miteinander verbrachten. Nachmittags hatten wir Mittagessen im beliebten mexikanischen Restaurant „Los Tres“. Sie hatten eine große Auswahl an mexikanischen Gerichten und wunderbaren Cocktails (Margaritas!!!). Anschließend verbrachten wir den ganzen Abend damit, Spiele zu spielen, was uns die Gelegenheit gab, uns kennenzulernen und über das Programm, unsere Kulturen, Normen und Werte zu diskutieren – all dies dauerte bis in die späte Nacht.

Einblicke in das US-amerikanische Schulsystem

In unserer ersten Woche begleiteten wir unsere Buddies an ihre Praktikumsschulen und erhielten Einblicke in verschiedene Schulformen. Lisa besuchte die Morris Grove Elementary School, wo sie mit ihrem Buddy die vierte Klasse an Valentinstag besuchte. An diesem Tag war der Unterricht weniger von Inhalten, als von Bastelaktionen und dem Verschenken von Süßigkeiten geprägt, was zeigt, wie sehr kulturelle Rituale im Schulalltag integriert sind. Michel konnte die Carrboro High School besuchen und auch dort sehr interessante Einblicke in den Schulalltag gewinnen. 

Ein weiterer spannender Besuch führte uns zur Central School in Durham, einer Charter School mit einem projektbasierten und kreativen Unterrichtsansatz. Diese Schule gehört zu den finanziell besser ausgestatteten Bildungseinrichtungen des Bezirks. Die Schüler*innen identifizierten sich stark mit ihrer Schule, waren motiviert und nannten ihre Lehrkräfte beim Vornamen – eine im US-amerikanischen Kontext eher ungewöhnliche Praxis. Zwei Achtklässlerinnen führten uns durch das Gebäude und präsentierten stolz ihre Klassen, Lehrkräfte und Projekte zur „History of the Month“. Dies zeigte uns, dass es in einem politisch konservativen Bundesstaat wie North Carolina alternative Bildungskonzepte geben kann, die Kreativität, kritisches Denken und individuelle Entwicklung fördern.

Unser erster Tag an der Culbreth Middle School, die Placement Schule von uns, hinterließ einen bleibenden Eindruck bei uns. Hier wurde uns klar, dass Themen wie die Geschichte der indigenen Bevölkerung, Sklaverei, Gender Studies und aktuelle politische Entwicklungen oft nur oberflächlich oder nicht ausreichend behandelt werden. Ein möglicher Grund dafür könnte die Befürchtung der Lehrkräfte sein, durch kontroverse Inhalte ihren Arbeitsplatz oder die Finanzierung der Schule zu gefährden. Diese Einsichten vertieften wir im Reflexionsseminar mit Taylor. Gemeinsam diskutierten wir, ob das amerikanische Bildungssystem mehr auf wirtschaftliche Effizienz als auf Demokratieerziehung und Mündigkeit abzielt. Insgesamt hatten wir eine großartige erste Woche in Chapel Hill-Carrboro, mit vielschichtigen Einblicken in die politischen Strukturen und das Bildungssystem North Carolinas, und begleitet durch tolle Menschen, die wir hier kennengelernt haben. 

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