Der Start unseres Kernpraktikums
Nach einer ereignisreichen ersten Woche in Chapel Hill beginnt für uns nun der spannende Teil unseres Austauschs: unser Kernpraktikum an den Schulen in North Carolina. Das dortige Schulsystem unterscheidet sich in drei Stufen: Die Primary School umfasst den Kindergarten bis zur 5. Klasse, gefolgt von der Middle School für die 6. bis 8. Klasse, und schließlich die High School, die die 9. bis 12. Klasse abdeckt. Unsere Gruppe ist an verschiedenen Schulen in Carrboro und Chapel Hill im Einsatz. Laura unterstützt die Carrboro Elementary School, Tharchis sammelt Erfahrungen an der Smith Middle School, Lisa Marie begleitet den Unterricht an der Carrboro High School, und Lisa, Michel und ich, Sara, haben unsere Praktikumsplätze an der Culbreth Middle School.

Reflexion über den Vortrag „My Friend Abe“

Am 17. Februar hatten Michel, Tharchis, unser Program Mentor Taylor und ich die Möglichkeit, einem Vortrag von Mr. Goldberg in der Chapel Hill Library zuzuhören. Er erzählte die Geschichte von Abe, einem Holocaust-Überlebenden, der vor zwei Jahren verstorben ist. Besonders prägend blieb seine zentrale Botschaft: „Don’t hate“ und „Nie wieder ist jetzt“.Um das Gehörte zu reflektieren, setzten sich Taylor, Tharchis und ich anschließend in das Restaurant „Momo’s Master“ in der Franklin Street – eine belebte Straße nahe des Campus, umgeben von Studierenden und kulturellen Treffpunkten. Unsere Diskussion drehte sich vor allem um die Frage, inwieweit Abes Geschichte auf die heutige Zeit übertragbar ist. Der Vortrag war eine eindrucksvolle Erinnerung an die Vergangenheit, doch es fehlte eine tiefere Verbindung zu aktuellen politischen Entwicklungen. Welche gesellschaftlichen Dynamiken führten damals zu den Katastrophen und ob wir heute ähnliche Muster erkennen? Auch Abe’s Botschaft „Don’t hate“ ließ uns nicht los. Was bedeutet sie konkret in einer Welt, die zunehmend von Spaltung geprägt ist? Diese Reflexion zeigte uns, wie wichtig es ist, nicht nur an die Vergangenheit zu erinnern, sondern auch ihre Lehren aktiv auf die Gegenwart anzuwenden.
Raum für Reflexion: Austausch und Rückblick an der UNC
Am Dienstag trafen wir uns zum zweiten Reflexionsseminar mit Taylor an der UNC, Peabody Hall, dem Gebäude der Erziehungswissenschaften. Dieses Treffen war mehr als nur eine Diskussion. Es war ein Moment des Innehaltens und Nachdenkens über unsere Erfahrungen in den letzten Tagen. Während draußen der Campus pulsierte, Studierende mit Kaffee in der Hand eilig zu ihren Seminaren strömten, Fahrräder klirrend an Metallständern abgestellt wurden und das Summen lebhafter Gespräche die Luft erfüllte, nahmen wir uns die Zeit, unser bisheriges Erleben in unserem geschützten Raum zu reflektieren.In dieser Sitzung hatten wir die Gelegenheit, genau diese Gedanken zu ordnen, unsere Erlebnisse in Worte zu fassen und sie mit den Erfahrungen der anderen zu verbinden.
Schnee, Basketball und Campusrituale
Am Mittwoch fiel die Schule aufgrund von starkem Schneefall aus, was für uns eine ungewohnte Pause im Alltag bedeutete. Während viele den Tag zur Erholung oder für gemeinsame Zeit mit Freunden nutzten, entschied sich Tharchis, das Basketballspiel der UNC gegen North Carolina State zu besuchen, ein fester Bestandteil des Campuslebens.
Während des Spiels fiel ihm eine bemerkenswerte Szene auf: Als der Dekan in der Halbzeitpause die Bühne betrat, wurde er lautstark ausgebuht. Die Reaktion war durchweg negativ, und es schien eine Art kollektiver Ausdruck von Ablehnung zu sein. Neugierig, warum die Stimmung so feindselig war, fragten wir später nach. Uns wurde erklärt, dass dies eine Art Tradition sei – unabhängig davon, wer das Amt innehat, sehen die Studierenden den Dekan oft als Gegenspieler oder Repräsentanten einer Verwaltung, mit der sie sich nicht identifizieren. Es scheint eine Art studentisches Ritual zu sein, die Universitätsleitung herauszufordern, ihr gegenüber Skepsis zu bewahren, vielleicht sogar Widerstand zu leisten. Doch als der Dekan den Schulausfall für Donnerstag und Freitag mit Homeschooling ankündigte, schlug die Stimmung um – Jubel statt Ablehnung. Dies zeigte, dass es weniger um die Person des Dekans ging als um eine generelle studentische Haltung gegenüber der Universitätsleitung. Kritik und Zustimmung wechselten je nach Situation, was die dynamische Beziehung zwischen Studierenden und Verwaltung verdeutlichte.

Unser Tagesausflug nach Outer Banks
Am Freitag fand unsere Happy Hour in der Bar TRU statt, zu der alle von uns erschienen. Neben einigen unserer UNC-Buddies kamen auch einige Mentorteachers, sodass eine offene und entspannte Runde entstand. Taylor nutzte die Gelegenheit, um organisatorische Punkte anzusprechen. Spontan entschieden wir uns, den Samstag für einen Tagesausflug nach Outer Banks, Kitty Hawk zu nutzen.

Am nächsten Morgen machten wir uns auf den Weg zur Outer Banks-Küste und hielten in Kitty Hawk für ein gemeinsames Lunch bei „Tortugas’ Lie, Outer Bank“. Danach besuchten wir das Wright Brothers National Memorial, das an die ersten erfolgreichen Motorflüge der Brüder Wilbur und Orville Wright erinnert. Hier konnten wir die Startpunkte ihrer historischen Flüge und die Nachbildung ihrer Flugmaschine sehen, was uns die Bedeutung dieses Ortes für die Luftfahrtgeschichte bewusst machte.

Nach dem Besuch des Memorials spazierten wir durch die beeindruckenden Sanddünen und gelangten schließlich wieder zum Strand, wo wir die Weite der Küste und die raue Schönheit des Atlantiks genießen konnten. Auf dem Rückweg machten wir einen Halt bei der Walter Raleigh Kolonie, der ersten englischen Siedlung in Nordamerika, die im späten 16. Jahrhundert gegründet wurde. Schließlich kehrten wir nach einem ereignisreichen Tag zurück nach Hause.
Ein sonniger Sonntag in Carrboro
Am Sonntag zeigte sich nach den Schneetagen endlich die Sonne, begleitet von einer frischen Brise. Michel, Tharchis, Taylor und ich trafen uns in Carrboro und besuchten den Weaver Street Market, wo wir uns mit Kaffee und Burritos versorgten und die warmen Sonnenstrahlen genossen. An einem kleinen Stand bot uns eine Frau Jollof Rice zum Probieren an. Es ist ein traditionelles westafrikanisches Reisgericht, das für seine würzige Tomatensauce und vielfältigen Aromen bekannt ist. Nach der kurzen kulinarischen Entdeckung spazierten wir noch ein wenig durch Carrboro und ließen das Wochenende entspannt ausklingen.
by Sara
